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Harley EFI (13), Vollgas, WOT, Open Loop

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    EFI : Harley EFI (13), Vollgas, WOT, Open Loop

    Aus diversen Forenbeiträgen entnehme ich immer wieder die Meinung, dass eine Harley ab 80% Gas sowieso auf OpenLoop schaltet. Manche sagen auch ab 50%. Und dabei auf AFR12.5 bis 11.0 runterregelt. Je nachdem, wer diese Meinung gerade vertritt.

    Dem ist nicht so. Es gibt zwei völlig voneinander unabhängige Mechanismen, die dabei zum Tragen kommen. Das eine ist die WOT, das andere die ganz normale AFR-Tabelle. Ich werde erstmal beide Mechanismen unter diesem Aspekt besprechen.


    WOT

    Der Zustand WOT (Wide Open Throttle) bezeichnet das pure Vollgasgeben. Volle Pulle. Dann geht die EFI davon aus, dass der Motor besondere Kühlung braucht. Deshalb wird in diesem Fahrzustand die Closed-Loop Regelung abgeschaltet, und stattdessen kommt eine Tabelle namens PE AIR-Fuel Ratio zum Einsatz. Darin steht, nach wievielen Sekunden welcher AFR Wert eingespritzt werden muss:

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    Nach 10 sec. wären wir bei AFR 12.2, nach 30 sec bei AFR 11.2. Das dient der Motorkühlung, da bei hoher Leistung auch viel Wärme umgesetzt wird.

    Nun ist aber ein AFR Wert unter 13.2 kontraproduktiv, was das Drehmoment (und damit die Leistung) angeht, bei AFR13.2 ist nämlich das Drehmoment-Maximum erreicht:
    http://g-homeserver.com/harley-david...im-alltag.html

    Nach 30 sec. Vollgas läuft der Motor zwar schön kühl, mit AFR 11.2, verbläst aber gleichzeitig unsinnig viel Treibstoff, ohne das mehr Leistung dabei rauskommt, sondern weniger. Aus diesem Grunde sind auch andere WOT Tabellen denkbar, zum Beispiel der Sägezahn.

    Er beruht auf der Idee, dass wenn der Motor sich genügend abgekühlt hat, man in den nächsten Sekunden wieder das AFR verringert, und damit kurzfristig mehr Leistung produzieren kann:

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ID: 3250


    Über den tatsächlichen Wert dieser Massnahme ist man sich nicht einig, aber man sieht schon, dass das Tunen einer Harley mehr bedeuten kann, als nur einen Powercommander anzuhängen und generell einfach mehr Sprit einzuspritzen.

    Ab welcher Drehzahl beginnt der WOT? In der Variablen ECM Tuning Constants steht die Drehzahl, ab der der WOT einsetzt. Das sind im Allgemeinen 5600 rpm. Es kann aber je nach Kalibrierung auch mehr oder weniger sein. Im TTS ist dieser Wert frei wählbar.

    Ab welcher Throttle Position beginnt der WOT? Das ist nicht ganz klar. Im Allgemeinen geht man von 80% aus. Aus verschiedenen Prüfstandläufen ergeben sich aber teilweise unterschiedliche Werte.

    Ich habe deshalb die Hypothese entwickelt, dass es eine interne Tabelle namens
    %Throttle Position Sensor for Wide Open Throttle gibt. Darin wird für verschiedene Drehzahlen festgelegt, ab welcher Gasgriffstellung das WOT beginnt. Diese Tabelle könnte zum Beispiel so aussehen:

    RPM Throttle%
    1000 50%
    2000 60%
    3000 70%
    4000 80%
    5000 85%
    6000 90%

    Wenn man dann bei den EFI Konstanten die Engine RPM Limit umstellt, zum Beispiel von 5600 rpm auf 3500 rpm, würde man damit nicht nur den Startpunkt der WOT Regelung neu festlegen. Sondern gleichzeitig auch die Stellung des Gasgriffs, ab wann WOT gilt. In unserem Beispiel also von 85% runter auf 70%, d.h. das WOT würde bei einer früheren Gasgriffstellung beginnen. Ich werde versuchen, diese Hypothese zu verifizieren.


    AFR Tabelle

    Eine Standard AFR-Tabelle sieht etwa wie folgt aus:

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    Ob das genau die AFR Tabelle ist, die in werksneuen Harleys Verwendung findet, ist nicht bekannt. Aber sie wird so ähnlich aussehen. Für unsere Betrachtungen interessiert jetzt aber nur der gelb markierte Bereich.

    Der Closed-Loop Bereich, also der Bereich in dem die Lambdasonden auf AFR14.6 regeln, endet ausserhalb des roten Feldes. Ab 80 KPA Manifold Pressure (MAP) wird der Wert sukzessive runtergesetzt auf 13.2, 13.1, 12.6. Je grösser der MAP ist, desto mehr Belastung muss der Motor aufbringen. Der Leerlauf findet bei 50-60 kPA statt, der Schiebebetrieb bei 20-30 kPA.


    Ab wann wirkt WOT, wann wirkt MAP?

    Ab 80 kPA schaltet die AFR Table auf Open-Loop Betrieb. Und dann runter bis AFR 12.5 (bei dieser MAP).

    Der WOT Bereich schaltet ab 80% Throttle auf WOT.

    Es steht zwar jeweils eine 80 vor der Zahl, aber es sind zwei verschiedene Dinge. Wenn man zum Beispiel bergrunter im kleinen Gang Vollgas gibt, dann bewegt man sich bei 60kPA, also immer noch Closed Loop. Denn die Maschine wird ja nicht voll belastet. Aber die WOT Tabelle beginnt zu greifen, da der Throttle in der 90-100% Position ist. Also regelt die EFI im Laufe der Zeit bis auf AFR 11.0 herunter. Es wird mehr Sprit eingespritzt (mal abgesehen davon, dass man immer schneller wird, den CL Bereich der AFR-Tabelle nach unten verlässt und der Adrenalinspiegel gleichfalls steigt..).

    Wenn man dagegen mit Halbgas die Alpen hochfährt, und der Motor so richtig Drehmoment leistet, dann springt der WOT nicht an, man kommt aber leicht auf über 80kPA, und die Maschine geht wegen der AFR Einstellung in den Open Loop und regelt dann bis 12.6 runter.

    Beide Mechanismen haben zwar gegenseitige Überlappungen, sind aber nicht identisch. Und so kommt es, das man immer wieder gesagt bekommt, die Maschine würde auf jeden Fall bei 50,60,80% Throttle in den Open-Loop Bereich wechseln.


    Acceleration Enrichment, Beschleunigerpumpe

    Eine weitere Tabelle, die Einfluss bei schnellem Gaswechsel hat ist das sogenannte Acceleration Enrichment. Die Funktion ist ähnlich wie die Beschleunigungspumpe bei einem Vergaser. Wenn man den Gasgriff schlagartig aufreisst, kann es kurzfristig zu einer Unterversorgung des Gemisches kommen, der Motor hat einen "Schluckauf". Zu diesem Zweck wird beim Vergaser einmal ein richtig kräftiger Schluck Sprit in die Ansaugkanal gespritzt. Daher der Name "Beschleunigerpumpe".

    Die EFi macht etwas ganz ähnliches. Für etwa 10-20 Umdrehungen der Kurbelwelle, also etwa 1/10 sec wird zusätzlicher Sprit eingespritzt. Wieviel mehr wird durch die Tabelle Accel Enrichment festgelegt. Die eingespritzte Zusatzmenge an Sprit ist abhängig von der Motorentemperatur. Ein heisser Motor braucht weniger zusätzlichen Sprit wie ein kalter. Die Werte sind Multiplikatoren, um die die Pulsweite der Einspritzpumpen verlängert wird. Wenn da also 0,45 steht, dann wird 45% mehr Sprit eingespritzt:

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    Ähnlich, aber ganz anders ist die Decelaration Enleanment Table. Die tritt in Kraft, wenn man schlagartig den Gashahn zudreht (Throttle Position kleiner 3%). Funktion und Aussehen sind gleich zur Accel Enrichment Tabelle, nur das die Spritmenge um den eingetragenen Prozentsatz verringert wird.

    © 2010, Peter Viczena
    Zuletzt geändert von peter; 01.11.2010, 20:19.
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